“In Spanien ist die Arbeitslosigkeit hoch, aber momentan bin ich sehr glücklich mit meiner Position hier.”

Interview: Jasmin Seifert
Transkription: Sina Klagemann, Celina Allard

Arturo López Riquelme studiert Mechatronik an der Universidad de Jaén. Er macht gerade seinen Master und wird selbst bald von der schwierigen Arbeitssuche betroffen sein. Wir haben ihn gefragt, wie er seine Zukunftschancen in Spanien einschätzt und ob er sich fürchtet, selbst einmal von der hohen Arbeitslosigkeit in seinem Land betroffen zu sein.

 

Was willst du später mal werden?

Arturo López Riquelme: Später, weiß ich noch nicht. Aber meine Zukunft liegt vielleicht hier an der Universität.

Als Professor?

Vielleicht als Professor, oder als Ingenieur in diesem Universitätsgebäude oder in einem Unternehmen hier.

Also willst du in Jaén bleiben?

Es ist eine Möglichkeit. Jaén ist eine schöne Stadt, ich bin sehr glücklich hier.

Wie siehst du deine Chancen, dass deine Zukunftswünsche Realität werden?

Ich sehe die Chancen, in der Zukunft eine Arbeitsstellezu zu bekommen, gut. Ich habe hier studiert. In Spanien ist die Arbeitslosigkeit hoch, aber momentan bin ich sehr glücklich mit meiner Position.

Gibt es denn viele Arbeitsplätze hier im Bereich Mechatronik?

Es gibt in Spanien nicht so viele Arbeitsplätze, aber weltweit hat man als Ingenieur/Mechatroniker viele Chancen weiterzukommen. Hier in Jaén gibt es nicht viele Unternehmen, aber vielleicht gibt es in der Nähe noch andere – die Möglichkeiten sind immer da.

Du warst selber schonmal in Deutschland – für ein Auslandssemester?

Für ein Auslandssemester und ich habe auch einige Sommer in Deutschland gearbeitet.

Kannst du dir vorstellen später mal dort zu arbeiten?

Ja klar. Deutschland ist ein wunderbares Land und auch das Gehalt ist, finde ich, höher als in Spanien. Also für einen begrenzten Zeitraum ins Ausland zu gehen ist super, vor allem wenn man noch jung ist. Aber wegen meiner Familie und allem was damit verbunden ist, möchte ich nicht für immer aus Spanien wegziehen.

Viele spanische Jugendliche planen jetzt schon ihr späteres Leben im Ausland. Was denkst du darüber?

Die Arbeitslosigkeit und die Krise war in Spanien sehr stark verglichen mit anderen europäischen Ländern. Und diese Situation war auch ein bisschen schwierig für die Jugend hier in Spanien. Aber ins Ausland zu gehen ist nicht immer einfach. Ich kann die Leute verstehen, die im Ausland leben wollen, aber ich denke, dass es die Heimat nicht ersetzt.

Was hast du persönlich aus dem Austausch mitgenommen? Kann dir das in der Zukunft helfen?

Meine Erfahrungen aus meinem Austausch sind unglaublich. Ich habe viele Erfahrungen für meine Zukunft gesammelt. Ich habe zum Beispiel Deutsch gelernt und auch mein Englisch verbessert. Auch die Leute, die ich beim Austausch kennengelernt habe, sind super. Ich bin in Mannheim gewesen.

Du wohnst ja noch zuhause bei deinem Vater. Gibt es einen speziellen Grund dafür?

Ja, ich studiere noch. (lacht) Hier in Spanien muss man für das Studieren in den Universitäten bezahlen. Und da ich noch kein Geld habe, kann ich mir eine eigene Wohnung hier oder in einer anderen Stadt nicht leisten. Deshalb wohne ich noch bei Mama und Papa. Papa und Mama Hotel heißt es doch, oder? (lacht)

Wann würdest du denn gerne ausziehen? Hast du schon ein spezielles Alter im Sinn?

Ich kann nicht von heute auf morgen ausziehen. In ein paar Jahren vielleicht. Der beste Zeitpunkt dafür ist wahrscheinlich, wenn ich eine Arbeitsstelle gefunden habe. Ich bin jetzt 22, also wäre mit 25 Jahren ein guter Zeitpunkt, vielleicht auch früher. Es kommt auf die Situation an.

Was muss die spanische Regierung deiner Meinung nach verbessern, damit es Jugendliche und Neueinsteiger auf dem Arbeitsmarkt leichter haben?

Das ist eine schwierige Sache, nicht nur national, sondern auch regional. Die Regierung muss sich mehr in die jungen Leute hineinversetzen. Wir sind die Menschen, die die nächsten 20 oder 30 Jahre auf der Welt bleiben. Sie müssen die Politik mit uns und nicht ohne uns gestalten. Das ist sehr wichtig. Aber in jedem Land sind die Politiker ja immer ein bisschen verwirrt.

Die Politiker müssen sich also in die Jugend hineinversetzen?

Sie müssen verstehen, was wir brauchen und welche Politik besser für uns ist, um unsere Chancen zu erweitern.

 

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